Selbstverständnis
Was denkt der MdB über das Leben und seine Aufgabe, wie sieht er sich selbst?
Aus TLZ / Eichsfelder Tageblatt vom 13. September 2002
Was fingen Sie mit dem Leben an, wären Sie 20?
Ich würde mich wieder um eine gute Ausbildung bemühen als Voraussetzung für die berufliche und familiäre Entwicklung. Ich würde mich intensiv vorbereiten auf Partnerschaft, Familie und ein gelingendes Leben. Dazu gehört auch das Festigen von Freundschaften und das Eintreten für eine offene und freiheitliche Gesellschaft.
Welches sind Ihre Stärken, Ihre Schwächen?
Stärken und Schwächen können andere besser beurteilen. Schwach bleibt man aus sich selbst heraus, stark dort, wo man sich getragen weiß.
Haben Sie schon einmal schlaflose Nächte verbracht im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen, die Sie mitgetragen haben?
Als Stellvertreter des Landrates und Chef der Verwaltung hatte ich schlaflose Stunden beim Umbau des Rates des Kreises zum Landratsamt.
Vertragen Sie Kritik?
Ich komme zunehmend besser mit Kritik zurecht. Dazu braucht es eine Gelassenheit, die mir nicht immer zu eigen war. Probleme habe ich mit Nörglern und Miesepetern.
Haben Sie ein politisches Vorbild – wen?
Angela Merkel nötigt mir Respekt ab. Als Frau aus dem Osten führt sie souverän die Bundes- CDU. Mit ihrem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur hat sie Edmund Stoiber den Weg bereitet unter Zurückstellung eigener Ambitionen. Sich selbst einer höherer Sache wegen dienend zurücknehmen, dazu sind nur wenige Politiker fähig. Angela Merkel hat meinen Respekt.
Gibt es einen Traum, den Sie gern verwirklichen würden?
Träume lassen sich fast nie verwirklichen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob dies wünschenswert wäre. Wünsche hätte ich schon:
- ein gelingendes und zufriedenes Leben
- Gesundheit für mich und die Menschen, die mir nahe sind
- Soziale Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe für meine Mitbürger und
- mit anderen gemeinsam für das Eichsfeld zu wirken.
Wie würden Sie Ihre Lebensphilosophie umreißen?
„Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages“, wie es in einem Lied der CD des St. Elisabeth-Gymnasiums Heiligenstadt heißt.
Worauf möchten Sie nie verzichten?
Auf den persönlichen Umgang mit Verwandten, Freunden und Nachbarn. Auf Zuspruch und „Getragen-Werden“ in schwierigen Lebensabschnitten, auf Seelsorge, Trost und Vergebung.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
„Ich mach ein Lied aus Stille“ von Eva Strittmatter und die Biographie Rainer Maria Rilkes.
Was macht Ihnen Angst, was macht Ihnen Mut?
„Angst fressen Seelen auf“, so heißt ein nachdenklicher Film. Angst ist auch ein schlechter Ratgeber. Nicht Angst, aber Sorgen machen mir die aktuellen Erwartungshoffnungen in einen Regierungswechsel und die Hoffnung auf schnelle Änderungen. Da unsere Lebensentwürfe endlich sind, verstehe ich die Erwartungshaltung. So endlich aber die Lebensentwürfe, so groß sind die Probleme in Wirtschaft, in den sozialen Sicherungssystemen und am Arbeitsmarkt.
Was bedeutet für Sie Luxus?
Luxus, das sind Brioni-Anzüge, Havannazigarren und Lufthansa-Freiflüge. Das braucht der Mensch nicht zum Leben.
Was ist für Sie Heimat, was Tradition?
Heimat ist für mich das Eichsfeld, die Menschen, denen ich verbunden bin. Wenn ich mit dem Zug kommend den Rusteberg sehe, weiß ich, bald bist du zu Hause. Heimat ist Leben. Heimat ist nicht alles, aber ohne Heimat ist alles nichts. In einer Zeit der Globalisierung, der Entgrenzung, möchte der Mensch „beheimatet“ und „behaust“ sein. In der Fremde ist Heimat für mich auch ein Gottesdienst in einer Kirche.
Wen oder was ertragen Sie nur mit Humor?
Das Gerede und das Gequassel in Talk-Shows, diese gezielte „Verbildung“ der Menschen, kann ich nur mit Humor ertragen.
© TLZ 2002


